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Unconcious Bias - Wenn Vorurteile unbewusst das Unternehmen steuern
08. Apr. 2022
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Die Werte Vielfalt, Toleranz und Offenheit sind mittlerweile auch in Unternehmen angekommen, denn viele Unternehmen bekennen sich heutzutage auch zu ebendiesen Werten. Vielen ist allerdings nicht bewusst, dass Entscheidungen auch von unbewussten Vorurteilen geprägt werden können und das selbst, wenn das Selbstverständnis des Unternehmens etwas anderes sagt. Was dagegen hilft, ist sich dieser Bias bewusst zu werden und zu hinterfragen, wie es dazu kommt und wo die Vorurteile überall schon umgesetzt wurden. 

 

Stereotype, die oft von kleinauf in der Erziehung eine Rolle spielen, prägen das menschliche Verhalten, wenn nicht reflektiert wird, enorm und können im Zusammenhang mit einer so machtvollen Strukur wie der eines Unternehmens fatale Konsequenzen haben, besonders bei der Einstellung oder Beförderung von Beschäftigten.

 

Während in der Wissenschaft schon lange mit den verschiedensten Biases kritisch umgegangen wird und es zum Standardvorgehen gehört, Befunde auf mögliche Biases, die dahinter liegen, zu prüfen, passiert dies in der Welt der Unternehmen nur selten.

 

Die Resultate der Aktionen der Unternehmen beeinflussen die Welt, in der wir leben jedoch maßgeblich:

 

Wenn eine Person zum Beispiel im Büro Tische holt, die alle in derselben Größe sind, geht diese Person im Normalfall von Personen einer Statur aus, die ähnlich ihrer Statur sind. Doch selbst, wenn alle Mitarbeiter im Unternehmen bei der Beschaffung neuer Tische beachtet werden, wird immer noch nicht beachtet, dass es natürlich auch neuer Mitarbeiter geben kann, die diesen Anforderungen nicht entsprechen und zu diesen der Tisch dann nicht passt. Im idealen Fall würden höhenverstellbare Tische eine Möglichkeit der individuellen Einstellung bieten, wobei in einem bias-kritischen Unternehmen auch hier nach möglichen Vorurteilen geforscht werden würde, um ein inklusiveres und toleranteres Umfeld zu schaffen.

 

Während dies ein Beispiel ist, das sich auf eine relativ kleine Personengruppe beschränkt, können Entscheidungen in einer Firma auch schnell Menschengruppen einer ganzen Gesellschaft einschränken. Beispiele hierfür könnten ein Auto sein, bei dem der Sitz sich nur für eine bestimmte Größenspanne verstellen lässt, oder auch wenn es kaum Buchverlage gibt, die auch in Blindenschrift Bücher herausbringen. Dann sind ganz schnell mehr Personen betroffen, denen es zusätzlich schwerer ist, der Situation zu entfliehen.

 

Wie können Biases umgangen werden?

 

Um dies zu ändern, müssen wir manchmal unsere Neigung zu komplexitätsreduzierender Effizienz zurückschrauben und Problemstellung etwas tiefgründiger und länger betrachten. Das erscheint zunächst schwierig, da unser Gehirn durch einen vielseitigen Alltag quasi getrimmt dazu ist, immer wieder gelernte Muster zu verwenden und so die Komplexität zu reduzieren, allerdings ist es zwingend nötig, aus diesen Mustern auszubrechen, um eine bessere Welt zu schaffen. Muster wie diese können zum Beispiel sein, dass Personen in der Chefetage immer weiße Männer mittleren Alters sind, sodass in der Folge Personen dieser Gruppe gegenüber Frauen oder jüngeren Personen bevorzugt werden. 

 

Natürlich kann man nicht von jetzt auf gleich alle unbewussten Vorteile komplett aus seinen Gedanken löschen, denn man hat auch viele Jahre damit verbracht, durch beispielsweise Erziehung diese Muster zu erlernen. Man sollte es allerdings zu einer täglichen Praxis machen, bei Entscheidungen und eigenen Wahrnehmungen kritisch zu hinterfragen, ob diese Entscheidungen rein objektiv sind oder ob Vorurteile dahinter liegen.

 

Teilweise kann es gebildeten Menschen besonders schwerfallen, Vorurteile bei ihren Entscheidungen zu sehen, die nicht bewusst sind. Meist finden sich dann andere Erklärungen, die ihre unbewussten Vorurteile legitimieren und andersherum. Um das Beispiel der Chefetage wieder aufzunehmen, würde hier wahrscheinlich die Frau für etwas, was sie gesagt oder getan hat, als schlechter dargestellt werden als die bevorzugte Gruppe.

 

Zum Glück gibt es allerdings Maßnahmen und auch Strategien, die man als Unternehmer, aber auch als Privatperson nutzen kann, um mögliche Vorurteile aufzudecken und zu umgehen. Während des Bewerbungsverfahren kann man zum Beispiel mit einheitlichen Beobachtungsbögen ein standardisiertes Auswahlverfahren schaffen, da hier alle Personen, die sich beworben haben, nach denselben Kriterien beurteilt werden. Außerdem können auch anonymisierte Bewerbungsverfahren, also Verfahren ohne Erwähnung des Geschlechtes, des Namens, des Alters und auch ohne Verwendung eines Bildes, hilfreich sein. All das gepaart mit Schulungen für die Führungskräfte, die Beschäftigten und vor allem die Personaler kann bereits einiges ausrichten.

 

Bekannte Biases, die dich beeinflussen könnten

 

Die Liste an möglichen Biases, die dich beeinflussen könnten ist quasi endlos, denn jeden von uns beeinflussen unterschiedliche Gedankenmuster, aus denen es sich auszubrechen gilt. Da es meist hilft, sich mögliche Vorurteile vor die Augen zu führen, um dann achtsamer sein zu können, ob man diese Vorurteile anwendet.

 

Ankereffekt

 

Bei diesem Bias werden irrelevante Informationen oder Reize als Auslöser für eine Entscheidung oder für ein Urteil genommen. Man ankert eine Entscheidung also sozusagen an dem völlig falschen Auslöser.

 

Attributionsfehler

 

Dieser Fehler entsteht vor allem bei der Beobachtung, bei denen die Ursache für eine Handlung meist eher bei feststehenden Eigenschaften, also beispielsweise dem Geschlecht oder dem Studiengang, festgemacht als an variablen Attributen, die sich je nach Situation ändern können.

 

Auswirkungsverzerrungen

 

Dieser Bias bezieht sich vor allem auf Gefühle und meint die falsche Voraussage davon, wie stark und welche Art von Gefühl man fühlen wird. Meist handelt es sich um eine Überschätzung der Gefühle, beispielsweise wenn jemand denkt, mit dem Trennungsschmerz würde die Welt zu Ende gehen.

 

Überzeugungsbias

 

Hiermit ist die Tendenz gemeint, dass Schlussfolgerungen schnell akzeptiert werden, wenn sie logisch klingen - oft unabhängig davon, ob die Schlussfolgerung tatsächlich logisch hergeleitet wurden. Bei diesem Bias kann es daher besonders oft dazu kommen, dass persönliche Meinungen in Entscheidungen miteinfließen. Wenn jemand zum Beispiel eine liberale Politik verfolgt, dann wird er oder sie vermutlich eher Argumenten gegen eine Steuererhöhung glauben, während er Argumente für eine Steuererhöhung wahrscheinlich kritischer hinterfragen wird.

 

Dichitomie

 

Dieser letzte Bias ist nichts anderes als ein Wort dafür, alles immer nur schwarz und weiß zu sehen und keine Differenzen zwischen verschiedenen Ursachen und Folgen zu machen.

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