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Software-Ergonomie - Ergonomie auch digital denken
08. Apr. 2022
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Während viele von uns die Wichtigkeit von ergonomischen Büromöbeln mittlerweile im Blick haben, denken die wenigsten Ergonomie auch im Zuge der Digitalisierung. Dabei haben wir alle bestimmt schon einmal eine Software benutzt oder eine Internetseite geöffnet, die einfach anstrengend zu navigieren ist und es gibt sogar Berufe, die sich extra auf das Design von Softwares und Websites in ihrem Aussehen oder ihrer Funktionsfähigkeit spezialisiert haben.

 

Genauso wie bei der analogen Ergonomie geht es um den arbeitenden Mensch und dessen Bedürfnisse, wenn man Softwares ergonomisch gestaltet. Ziel ist es, eine Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine zu entwickeln, die sowohl psychologische Aspekte miteinbringt aber sich gleichzeitig auch in einen Algorithmus umsetzen lässt.

 

In der Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) und in der Norm EN ISO 9241 werden hierfür Richtlinien und Regeln festgelegt, die bei der Entwicklung einer Software zu beachten sind.

 

Die Anwendungsbereiche weiten sich dabei auf alle Softwares aus, die interaktiv sind. Das betrifft zum einen Softwares, die bei der Arbeit genutzt werden, aber auch Spiele oder Programme, die man in der Freizeit nutzt. Dabei gibt es zwei Schwerpunkte der Sotware-Ergonomie: Die Orientierung an dem Benutzer, dessen Bedürfnisse erfüllt werden sollen, und die Orientierung an der Arbeitsaufgabe, die zu genüge erfüllt werden soll. Idealerweise erfüllt die Software die Aufgabe schneller als ein Mensch, denn die meisten Softwares sind dafür da, Belastungen zu vermindern und den Menschen bei der Handlung zu unterstützen. 

 

Wenn diese Schwerpunkte nicht erfüllt sind, kann es schnell zu Stress oder Frustration bei den Benutzern führen. Deshalb ist die Software-Ergonomie nicht nur Aufgabe der Programmierer, sondern stellt sich als interdisziplinäre Aufgabe mit ganz verschiedenen Schwerpunkten, darunter Psychologie, Arbeitsmedizin, Ingenieurwissenschaften und Arbeitswissenschaften, dar.

 

Geschichtliche Entwicklung

 

Wer schon mal eine Software aus den Anfängen der Computerentwicklung gesehen hat, merkt schnell, dass hier die ergonomischen Aspekte eher im Hintergrund stehen und dass vor allem funktionale Schwerpunkte gelegt wurden. Das liegt zum einen daran, dass die Anzahl der Pixel und die Größe des Arbeitsspeichers nicht viel mehr hergaben, zum anderen aber auch, dass die Psychologie hinter den Softwares noch in Kinderschuhen war. Nachdem sich der Computer weiterverbreitete, rückten allerdings auch die Bedürfnisse des Benutzers immer weiter in den Vordergrund. Macht Sinn, denn natürlich bringen Softwares, die Menschen lieber benutzen, auch mehr Profit als Softwares, die wegen ihrer Benutzerunfreundlichkeit kaum genutzt werden. In Deutschland gab es ab Anfang des Jahres 2000 eine Bildschirmarbeitsverordnung, die bei Nichteinhaltung zu einer Bußgeldstrafe von bis zu 25.000 Euro führt.

 

Kriterien für die Software-Ergonomie

 

Bei digitalen ergonomischen Prinzipien wird oft das ABC-Modell zur Hilfe gezogen, das die Wechselwirkung und Beziehung zwischen Aufgabe, Benutzer und dem Computer zeigt. Das System muss demnach eine Lösung für das Problem darstellen, handhabbar für den Benutzer sein und an die Fähigkeiten und Kenntnisse des Benutzers angepasst sein.

 

In der DIN-Norm, die in Deutschland 2000 eingeführt wurde, wird diese Beziehung durch weitere Kriterien dargestellt und spezifiziert:

 

Aufgabenangemessenheit 

 

Die Software soll die Aufgabe erledigen, nicht mehr und nicht weniger. Dementsprechend soll auch der Algorithmus aufgebaut sein, sodass unnötige Interaktionen minimiert werden. Dazu gehört auch, dass der Algorithmus sich selbst erklärt, ohne dass eine große Anleitung benötigt wird und dass bei einem falschen oder fehlenden Ergebnis Hilfen oder Rückmeldungen gegeben werden, um den Nutzer zu unterstützen. Gleichzeitig ist es wichtig, dass die Software ausreichend durch den Benutzer gesteuert werden kann, zum Beispiel indem man Änderungen bei einem Fotobearbeitungsprogramm auch wieder rückgängig machen kann und dass der Benutzer neben fertigen Filtern auch eigene Änderungen vornehmen kann.

 

Erwartungskonformität

 

Dieses Kriterium bedeutet, dass die Erwartungen des Benutzers erfüllt werden. Bei einer Suchfunktion erwartet der Nutzer beispielsweise, dass immer wieder auch Suchergebnisse kommen, wenn eine Anfrage gestellt wird. Wenn Google zum Beispiel nur manchmal Ergebnisse bringen würde, wäre das eine Inkonsistenz und damit nicht konform mit den Erwartungen des Nutzers. 

 

Konsistenz der Benutzerführung

 

In diesem Kriterium wird festgelegt, dass die Funktionen jedes Mal gleich aufgebaut sind. So kann der Benutzer die Funktionen erkennen und das Ergebnis aus der Funktion direkt weiterverwenden. Das vereinfacht die Benutzung des Algorithmus. 

 

Fehlertoleranz

 

Während man programmiert, kann man bereits auf einige häufige Benutzungsfehler eingehen und Lösungen für diese schaffen. Dann sind es nur noch die unerkannten Fehler, die das Ziel der Benutzung verhindern können. Ein Beispiel für diese Fehlertoleranz ist, um bei dem Suchmaschinenbeispiel zu bleiben, eine Benachrichtigung, wenn man offline ist und deswegen die gewünschte Seite nicht abrufen kann.

 

Individualisierbarkeit

 

Durch die Individualisierbarkeit kann der Algorithmus an den Benutzer und den Kontext, in dem gearbeitet wird, angepasst werden. Hierbei ist eine Anleitung des Benutzers sinnvoll, denn so kann die Erlernzeit möglichst gering gehalten werden und macht so eine Individualisierung schnell möglich. 

 

Eignung für das Kommunikationsziel 

 

Wenn Informationen keinen Mehrwert bringen, dann eignen sie sich auch nicht für das Kommunikationsziel. Alle verwendeten Informationen oder Medien sollen daher das Ziel der Kommunikation zu unterstützen. Diese Kategorie weitet sich ebenfalls auf die Inhalte aus, die ebenso gut verständlich sein sollen und klar erkennbar für den Benutzer sein sollen.

 

Eignung für die Exploration 

 

Dieses Kriterium wird dadurch erreicht, dass die Informationen so gut strukturiert sind, dass der Nutzer auch die Software erkunden kann. Dadurch kann der Nutzer viele verschiedene Funktionen und auch Wissen erhalten, die er sonst nicht erhalten hätte.

 

Eignung für die Benutzungsmotivation

 

Das beste Beispiel für dieses Kriterium ist wohl Social Media, denn hier geht es darum den Benutzer zur Benutzung zu motivieren und den Nutzer zu binden. Gerade auf Social Media verbringt man teilweise so viel Zeit, dass dieses Ziel schon fast übererfüllt ist. 

 

Ständige Verfügbarkeit

 

Programme, die im Hintergrund laufen und zum Beispiel auch weiterlaufen, wenn man das Fenster minimiert, oder wenn beim Tippen in einem Schreibprogramm die Wörter direkt auftauchen, dann ist dieses Kriterium erfüllt. So wird die Arbeit der Nutzer nicht unterbrochen und der Mensch kann sich mehr auf andere Dinge fokussieren. 

 

Umgehende Rückmeldung an den Benutzer

 

Manchmal schlagen Anfragen des Benutzers fehl, das ist völlig normal. Wichtig ist aber auch, dass der Benutzer dann nicht im Dunkeln tappt, sondern dass er eine Fehlermeldung bekommt. Außerdem ist es wichtig, dass das Programm immer den aktuellen Stand speichert, so auch die Meldung darüber, dass etwas schief gelaufen ist. 

 

Höflichkeit

 

Wenn Fehler vorkommen und eine Fehlermeldung kommt, ist das der erste Schritt. Wichtig ist aber auch, wie man den Benutzer in dieser Meldung auf das Problem aufmerksam macht. Unfreundliche, kurze Aussagen sind generell zu vermeiden, so zum Beispiel die Meldung “Falsch.”. Auch wenn dieser Schritt nicht effizienzsteigernd ist und Maschinen wie der Computer natürlich nicht Sympathie oder Emotionen zeigen können, erhöht es die Zufriedenheit des Nutzers, wenn höflicher auf die Situation hingewiesen wird.

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