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Ohne Karriere fröhlicher sein? Die wandelbare Bedeutung der Work-Life-Balance
07. Jun. 2022
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Heutzutage widmen sich immer weniger Menschen der Standardkarriere, wie sie vor einigen Jahrzehnten noch sehr beliebt war. Stattdessen wird die Karriereleiter nach oben von immer mehr Arbeitnehmern hinterfragt, die es sich nicht einsehen für das höhere Gehalt ihre Freizeit zu opfern. Der Berufsweg nach oben lässt sich kaum eine ausgeglichene Work-Life-Balance nennen, eher handelt es sich um eine Work-Work-Balance. Tief dahinter steht jedoch auch eine weitaus tiefgründigere Frage als die, ob man Karriere oder Freizeit bevorzugt. Es geht darum, was einem im Leben überhaupt wichtig ist und ob das monetäre System des Kapitalismus und der bezahlten Stunden überhaupt noch einen Sinn hat.

Die Definition von Karriere wandelt sich

Karriere als Begriff kommt von dem Wort “carrus”, das auf Lateinisch so viel wie Wagen heißt. In unserer Begriffsverwendung bezeichnet das Wort Karriere alle möglichen beruflichen Laufbahnen. In der Gesellschaft ist die Karriere meist ein Wort, das gleichgesetzt mit einem Aufstieg in der Wirtschaft und dem Sozialen wird.

In den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten war dies der vorgesehene Weg für Männer, die einen gewissen Status erreichen wollten. Der Job stand deswegen oft an erster Stelle, meist sogar noch vor der Familie, sodass die Frauen oft ganz alleine zuhause waren und sich so um die Kinder kümmern mussten. Sogar Statussymbole standen teilweise vor der Familie, so zum Beispiel das Haus, ein Auto oder ein Boot. Das Familienleben sollte dann eher nachgeholt werden, wenn man im erfolgreichen Ruhestand ist. Was dabei oft vergessen wurde, war, dass man Dinge, die man zum Beispiel während des Aufwachsens der Kinder verpasst, nicht einfach so nachholen kann.

Das wird auch den Arbeitnehmern immer mehr bewusst, die sich nun nicht nur im Ruhestand, sondern allgemein während ihres ganzen Berufsleben mehr um die Familie kümmern wollen, mehr während der Freizeit unternehmen wollen und die keinenfalls mehr glücklich mit einer Arbeitswoche von über 60 Stunden sind.

Teilweise hören Unternehmen, besonders Start-Ups, komplett damit auf, den Arbeitswert eines Mitarbeiters an Stunden zu messen und nutzen stattdessen flexible Modelle für die Arbeitszeit, die zum Beispiel eher projektbasiert vergüten.

Job und Soziales müssen vereinbar sein

Vielen Personen ist ein harmonisches Zusammensein und eine Zusammenarbeit mit anderen wichtiger als die egoistische Einstellung, die die meisten haben, die versuchen sich gegen alle anderen für die wenigen Führungspositionen durchzusetzen. Die Personen, die die Karriereleiter aufsteigen wollen, machen dann oft andere Kollegen herunter, um sich von ihnen abzuheben und besser dazustehen.

Auch wenn dieses Verhalten bereits im Arbeitsumfeld nicht schön ist, bleibt es bei vielen Personen nicht dort und färbt auch auf das Privatleben ab. Die wenige Zeit, die die Person dann mit seiner Familie verbringt, ist Stress oder Wut einer der leitenden Gefühle und die Zeit kann nach dem langen Arbeitstag gar nicht richtig genutzt werden. Dabei sind gerade die Interessen der Freizeit wie Familie, Freunde oder Hobbies, die die Zufriedenheit mit dem Leben deutlich steigern.

Heutzutage ist das Geschlechterverhältnis in der Erziehung oft gerechter verteilt und auch Väter kümmern sich immer öfter um die Erziehung der Kindern, dafür hat unter anderem die Elternzeit für sowohl Mütter als auch Väter gesorgt. Dazu kommt, dass auch Frauen immer bessere Chancen auf Bildung und einen guten Job haben, auch wenn es immer noch Geschlechterunterschiede bezüglich des Lohns gibt.

Keine Karriere als Kritik an der Wirtschaft?

Einige Personen nutzen die Verweigerung einer Karriere wie sie in unserer Gesellschaft gemeint ist als Kritik am Kapitalismus, sie boykottieren sozusagen die kapitalistische Laufbahn. Während man früher nach einem immer höheren Gehalt gestrebt hat, sind mittlerweile eher die Werte und die Selbstentwicklung und Selbsterfüllung in den Vordergrund gerückt. Vielen Mitarbeitern reicht eine Gehaltserhöhung nicht mehr und es gibt stattdessen eine Vielzahl an Forderungen, die die Mitarbeiter an ihre Vorgesetzten stellen.

Im Unternehmen bedeutet das die Aufgabe, einen Ort zu schaffen, an dem sich die Arbeitnehmer wohlfühlen und zu dem die Mitarbeiter gerne gehen. Dazu zählt zum Beispiel gesundes Essen in der Kantine und vegane Optionen, flexible Arbeitszeiten oder auch eine nachhaltige Firmenphilosophie. Bonuspunkte gibt es, wenn das Unternehmen dem Mitarbeiter auch außerhalb des Firmengebäudes Vorteile bringt, so zum Beispiel durch eine Fitnessstudiomitgliedschaft oder durch ein Einrichtungbudget für das Home Office, um dem Arbeitnehmer auch da eine hochwertige ergonomische Einrichtung zu ermöglichen.


Einzuordnen ist dieser Trend der Karriereverweigerung in ebenfalls immer stärker werdende Trends wie Minimalismus, Selbermachen und Veganismus - Trends die sich gegen den Kapitalismus in seiner Schnelllebigkeit richten. Statt schnellen Wegwerfprodukten möchten viele lieber langfristige Produkte, die länger erhalten bleiben und die reparierbar sind.

Die Gründe dahinter sind allerdings weitaus vielfältiger als der Klimaschutz, sondern auch Stress, Depressionen und Gerechtigkeitsgründe stehen hinter dem Umdenken. Die Theorie dahinter ist, dass Personen, die weniger konsumieren und weniger besitzen, auch weniger haben, worüber sie sich Sorgen machen müssen. Das bedeutet allerdings auf keinen Fall, dass diese Personen gar nicht mehr arbeiten wollen - sie wollen lieber auf erfüllendere Weise arbeiten. Personen, die ihre Stunden reduzieren, nutzen die gewonnene Zeit zum Beispiel für soziales Engagement, für Bildung oder zur Erziehung ihrer Kinder. So kann man zwar das Risiko laufen, länger arbeiten zu müssen oder eine geringere Rente zu haben, allerdings verpasst man nicht die Chancen, die das Leben auch in jüngeren Jahren bietet, und lebt unter Umständen sogar länger, weil man zu dieser Zeit besser auf sich geachtet hat und so die oft von Stress verursachten gesundheitlichen Folgen ausbleiben.

Letztendlich ist es allerdings immer noch die Entscheidung des Individuums, ob und wann er mehr Freizeit und wann eher mehr Gehalt oder eine Karriereleiter bevorzugt. Dabei muss die Entscheidung nicht einmal für das ganze Leben in einem Mal gefällt werden, sondern kann auch völlig abhängig vom Lebensabschnitt passieren.

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