Wissenschaftliche Texte schneller lesen, verstehen und behalten - Diese Tipps helfen wirklich

June 22, 2022

Lesen haben die meisten in der Schule gelernt. Doch nicht jeder Student oder jede Person, die sich mit wissenschaftlichen Texten befasst, kann deswegen direkt richtig lesen, was schnelles und nachhaltiges Lesen meint.

 

Je nachdem, mit was man sich beschäftigt, muss man unterschiedlich viel lesen. Gerade bei Geisteswissenschaften wie Politikwissenschaft oder Philosophie muss man sich auf so einiges an Lektüre vorbereiten. Deswegen ist es besonders dort wichtig, sich mit dem Lesen von wissenschaftlichen Texten zu befassen, denn ansonsten verbringt man schnell einmal jeden Tag mehrere Stunden damit, besagte Texte zu lesen - und das auch noch ohne, dass wirklich etwas hängenbleibt.

 

Schwierig wird es dann, wenn es auf die Klausurenphase zugeht und man merkt, dass der Prof bei einigen Vorlesungen nur einen der drei klausurrelevanten Texte erklärt hat. Kurz vor der Prüfung muss man dann noch einmal richtig an die Texte herangehen und wichtige Informationen, die noch nicht genannt wurden, herauszufiltern.


Wie kann ich produktiver lesen?

 

Die meisten Ratgeber zum Thema Lesen sind in etwa 7 Schritte aufgeteilt, bei denen man zunächst den Text von weiter oben betrachtet und sich ein generelles Bild macht. Anschließend kann man dann immer weiter auf Detailfragen eingehen. So macht man sich weniger Stress, den Text fast schon Wort für Wort wiedergeben zu müssen, und erfasst stattdessen eher die generelle Aussage des Textes.

  

Überblick über den Text

 

Anstatt direkt den Text von oben nach unten zu lesen lohnt es sich, vorher die Struktur des Textes ein bisschen genauer anzusehen. Beim Durchblättern oder Durchscrollen kannst du darauf achten, ob es innerhalb der Unterkapitel vielleicht weitere Sinnabschnitte und Absätze gibt, die man in einem Satz zusammenfassen könnte, oder ob es irgendwo Grafiken gibt, die den Text zusammenfassen oder erklären.   

 

Inhaltsverzeichnis ansehen

 

Das Inhaltsverzeichnis gibt durch die ganzen Überschriften einen Einblick in die Struktur, aber auch in inhaltliche Schwerpunkte und deren Gliederungen. Beispielsweise können als Unterpunkte eines Kapitels ein bestimmtes Fallbeispiel genannt sein oder man sieht in der Wortwahl der Überschrift bereits, in welche Richtung es gehen soll. 

 

Text scannen

 

In diesem Schritt kannst du dir ein Zeitlimit, zum Beispiel 10 Sekunden pro Seite, setzen, um nicht aus Versehen wieder in das detaillierte Lesen zurückzufallen. Beim Scannen liest du nicht Wort für Wort, sondern versuchst Dinge aufzunehmen, die wichtig sein könnten. Das sind zum Beispiel Überschriften, kursive Fachbegriffe, Aufzählungen oder auch Grafiken, die man sich in diesem Schritt ein bisschen genauer angucken kann. Du musst in diesem Schritt auch nicht unbedingt nur einmal scannen, sondern kannst dies auch mehrfach machen.   

 

Markieren von Kernaussagen

 

Die Faustregel, dass man in Bücher nicht hereinschreiben darf, gilt nicht bei wissenschaftlichen Texten. Hier kann das Markieren nämlich den Lernprozess verbessern, da man die Bücher als Arbeitsmittel nutzt. Markiere das, was dir wichtig erscheint - das kann auch von Person zu Person unterschiedlich sein. Hauptsache die Markierungen unterstützen im Ganzen die Kernaussage der Lektüre. Wenn dir danach ist und du denkst, dass es für dich Vorteile hätte, kannst du dir sogar ein Markierungssystem ausdenken, bei dem zum Beispiel eine Farbe für Beispiele, eine für Fachbegriffe und eine für Argumente genutzt wird. Auch Symbole, Fragen an der Seite des Textes oder eigene Erkenntnisse während des Lesens sollten notiert werden.  

 

Du musst nicht die ganze Quelle lesen

 

Produktives Lesen heißt auch, dass du nicht unnötig viel Zeit mit Abschnitten, die du gar nicht brauchst, verschwendest. Wenn du merkst, dass es irrelevante Abschnitte gibt, weil sie vielleicht nicht in das Thema passen oder weil du die Informationen schon einem anderen Paper entnommen hast, kannst du auch einfach zu dem nächsten Abschnitt springen.  

 

Zusammenfassen von Abschnitten

 

Am Ende eines größeren Abschnittes kannst du die wichtigsten Aussagen des Autors zusammenfassen, vielleicht sogar schon in einem Extra-Dokument, das du dann in der Klausurenphase als Lernzettel nutzen kannst. Es gibt bei der Zusammenfassung zwei verschiedene Methoden: Entweder man versucht direkt aus dem Gedächtnis eine Zusammenfassung zu schreiben und regt so bereits den Lernprozess an, wobei später alle fehlenden Informationen ergänzt werden können, oder man nimmt sich die Notizen vor und formuliert sie noch einmal aus, was weniger zeitintensiv sein kann, wenn man bei den Notizen schon gut gearbeitet hat.  

 

Anwendung als letzter Schritt

 

Viele Personen können sich das Gelesene besonders dann gut merken, wenn sie es anwenden. Das heißt nicht, dass du zu jedem wissenschaftlichen Text eine empirische Studie durchführen musst. Allerdings kannst du dir ein alltagsnahes Beispiel heraussuchen, mit dem du dich ein bisschen auskennst, und die Aussagen des Textes daran erproben. Vielleicht findest du in diesem Schritt sogar mögliche Kritikpunkte an den Aussagen, die du im nächsten Seminar ansprechen kannst. Auch wenn du Beispiele durchrechnest oder ein Fachwort durch mehr Recherche besser verstehst, hilft das bereits deinem Lernprozess. 

 

Fazit: Lesen muss gelernt sein

 

Jeder Student kann lesen, allerdings können die wenigsten am Studienanfang bereits richtig lesen. Dabei sind die Texte, die man neben dem Studium bekommt, eines der wichtigsten Werkzeuge, um möglichst viel aus dem Studium mitzunehmen. Wer sich angeeignet hat, produktiv und nachhaltig zu lesen, hat daher viel mehr von den Texten und erfasst eher die Kernaussagen, als dass man sich an unwichtigen Details aufhält.

 

Wer seine Produktivität noch mehr steigern will, sollte auch auf ein Umfeld ohne Störfaktoren und die persönlichen Bedürfnisse achten. Gerade, wenn man die wissenschaftlichen Texte gerne vor dem Schlafen liest, ist das Bett oft sehr unangenehm. Mit einem verstellbaren Lattenrost kann man eine Position wählen, die zum Lesen angenehmer ist. Auch die Geräuschkulisse oder bei Bildschirmen die Helligkeit und die Wärme des Lichtes sind mögliche Faktoren, die das Lesen angenehmer oder weniger angenehm machen.