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Animal Hoarding: Wenn die Tierliebe zum Problem wird
20. Aug. 2021
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Am 8. August wurde der Weltkatzentag gefeiert. An diesem Tag zelebrierten Menschen rund um den Globus ihre Freundschaft mit den vierbeinigen Komparsen. Solche Feiertage gibt es auch für viele andere Tiere.

Gerade hierzulande ist die Liebe zu Tieren weit verbreitet: Viele Menschen in Deutschland halten sich Haustiere. Von Katzen und Hunden über Schildkröten bis hin zu exotischen Schlangen, alle möglichen Gattungen lassen sich in Deutschlands Haushalten finden. Für viele sind die tierischen Mitbewohner ein Freund, oder ein Familienmitglied.

Aber manchmal geht die Liebe zu Tieren zu weit. Wie bei vielen Dingen im Leben gibt es auch beim Halten von Tieren suchthafte Erkrankungen. Experten sprechen hier vom Animal Hoarding: Das krankhafte Sammeln von Tieren. Dieser Zustand führt langfristig zur Verwahrlosung von Tieren und kann schlimme Folgen, bis hin zum Tod der Haustiere, haben.

Wie genau sieht Animal Hoarding aus? Und wie erkennen Sie, ob jemand den Sie kennen, eventuell unter Animal Hoarding leidet? Das finden Sie in diesem Artikel heraus.

 

Extreme Tierliebe

Animal Hoarding bezeichnet das suchthafte Halten von Haustieren. Das Problem beim Animal Hoarding ist, dass sich die Betroffenen oft gar nicht über die Symptome dieser krankhaften Sucht im Klaren sind. Ähnlich wie bei anderen Suchtkrankheiten (beispielsweise Alkoholismus), empfinden die Animal Hoarder ihre Liebe zu Tieren als völlig normal.

Die Tiere leiden aber unter den Umständen. Oft werden sie durch den Halter vernachlässigt, sind unterernährt oder leben in furchtbaren hygienischen Zuständen. Ähnlich wie bei Messies versuchen Außenstehende oder Freunde und Familie, die Betroffenen auf die Situation aufmerksam zu machen. Die Hoarder selbst sehen die Umstände aber nicht als problematisch und befinden sich in einer Spirale von Verleugnung und Ausreden. Das Resultat ist, dass die Situation oft noch schlimmer wird.

Im schlimmsten Fall führt die Lage gar zum Tod der Tiere. Daher ist es wichtig, Fälle von Animal Hoarding zu erkennen. Wie Sie die Anzeichen von Animal Hoarding richtig deuten können, erklären wir etwas später in diesem Artikel.

Laut einer Studie des Tierschutzbundes waren seit 2012 über 26.000 Tiere vom Animal Hoarding betroffen. Der Bund schätzt die Dunkelziffer noch deutlich höher ein. 2020 gab es demnach 59 Fälle von Animal Hoarding hierzulande, was einen leichten Anstieg zum Vorjahr bedeutete (50 Fälle in 2019). Gerade Katzen waren vom Animal Hoarding betroffen, 2020 machten sie fast die Hälfte der bestätigten Fälle aus.

 

Woran erkennt man Animal Hoarder?

Es gibt zwar keine offizielle Klassifizierung, die einen Animal Hoarder ausmacht. Dennoch gibt es einige Anzeichen dafür, dass ein Tierhalter sich mehr Tiere hält, als zumutbar ist. Zu den prägnantesten Anzeichen der Tiersammel-Sucht gehört:

  • Übermäßige Tierhaltung: In vielen Haushalten sind mehr als ein Haustier durchaus normal. So findet man in vielen deutschen Häusern und Wohnung beispielsweise mehr als einen Hund oder mehrere Katzen. Wenn es allerdings deutlich mehr sind, könnte ein Fall von Animal Hoarding vorliegen. Selbst in großen Häusern sind beispielsweise zehn Katzen deutlich mehr als üblich. Hier sollte man also die genauen Umstände erkunden, warum der Tierhalter so viele Tiere gleichzeitig besitzt.
  • Zustand der Tiere: Da beim Animal Hoarding mehr Tiere gehalten werden, als für den Halter zumutbar ist, leiden die Tiere: Sie sind oft unterernährt, leben in ihren eigenen Fäkalien oder wirken aufgrund der großen Anzahl an Tieren verstört oder ängstlich. Gerade bei Tieren, die naturgemäß eher Einzelgänger sind, kann das Halten von mehreren Exemplaren zu Problemen führen. Werfen Sie daher auch immer einen genauen Blick auf die Tiere selbst.
  • Verleugnung der Umstände: Angesprochen auf die Situation, weichen Animal Hoarder oft aus. Sie suchen Ausreden für die Situation oder beteuern, dass es den Tieren gut gehe oder die Anzahl der Tiere angemessen sei. Ähnliche Verhaltensmuster findet man bei anderen Fällen von krankhafter Sucht, beispielsweise bei Alkoholikern oder Drogenabhängigen. Auch diese Personen bestreiten oft, dass sie ein Problem haben und spielen die Situation herunter.

Wenn Sie eines dieser Verhaltensmuster oder Anzeichen von Animal Hoarding bei einem Bekannten oder einem Familienmitglied entdecken, suchen Sie als erstes den Dialog. Eventuell gibt es eine einfache Erklärung für die Situation. Wenn sich der Verdacht der Tiersammel-Sucht aber erhärtet, sollten Sie professionelle Hilfe zurate ziehen.

 

Was kann man bei Animal Hoarding tun?

Als Außenstehender kann es zunächst schwer sein, etwas an der Situation zu ändern. Auch, wenn Sie wie bereits erwähnt den Dialog gesucht haben, kann das Problem weiterhin bestehen. Tierschützer empfehlen, in solchen Fällen den Tierschutzbund zu informieren. Der Bund setzt sich dann in der Regel mit den Veterinärbehörden in Verbindung und evaluiert die Lage der Tiere. In letzter Instanz können die Behörden veranlassen, dass dem Animal Hoarder die Tiere weggenommen werden. Hierzu braucht es eines richterlichen Beschlusses, kann also nicht so ohne weiteres passieren.

Und auch, wenn die Tiere schließlich in die Obhut eines anderen Halters oder eines Tierheims gegeben werden, sollten auch die Animal Hoarder nicht vernachlässigt werden: Da es sich beim Animal Hoarding um eine suchthafte Erkrankung handelt, sollten die Betroffenen psychologisch betreut werden. Neben Gesprächen kann hier eventuelle eine Aufarbeitung beim Psychologen helfen, um die Gründe für die Tiersammel-Sucht herauszufinden. Ähnlich wie bei anderen Suchterkrankungen hat auch das Animal Hoarding oft tiefliegende psychologische Gründe.

Wenn Sie also jemanden kennen, der eventuell unter Animal Hoarding leidet, zögern Sie nicht davor, die Situation mit dem oder der Betroffenen zu erläutern. Zwar kann dieser Schritt, gerade bei Freunden und Familie, schwerfallen, zum Wohle der Tiere ist es aber auf jeden Fall ratsam, die Situation zu evaluieren.

 

Zusammenfassung

Animal Hoarding ist ein ernstzunehmendes Problem. Als Folge der Tiersammel-Sucht leiden die Tiere, verwahrlosen oder sterben sogar. Tausende von Tieren wurden in Deutschland seit 2012 bereits aus den Händen von krankhaft süchtigen Tiersammlern befreit. Damit konnten bereits eine Vielzahl an Haustieren vor der Verwahrlosung oder gar dem Tod geschützt werden. Umso wichtiger ist es, rechtzeitig einzugreifen.

Dabei kann jeder einen Animal Hoarder erkennen. Wenn Sie bei einem Bekannten einen Fall von Tiersammel-Sucht vermuten, achten Sie auf deutliche Anzeichen wie eine übermäßige Anzahl oder den Zustand der Tiere. Im schlimmsten Fall sollten Sie auf professionelle Unterstützung zurückgreifen, um die Situation der Tiere zu verbessern. Denken Sie dabei in erster Linie immer an das Wohl der Tiere.

 

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